Kalter Schweiss

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Wie damals im Paläolithikum

Die sogenannte Paleo (kurz für Paläolithikum) Ernährungsform erlebte in den letzten Monaten, auch dank massiver Medienpräsenz, einen regelrechten Hype der wahrscheinlich in nächster Zeit nicht abflachen wird. Entgegen der weit verbreiteten Meinung – und auch entgegen des Wikipedia Artikels – handelt es sich hierbei um keine Diätform. Es ist kein kurzzeitiges Konzept welches primär nur der Gewichtsreduktion dienen soll, sondern dient einer langfristigen Verbesserung auf sehr vielen Ebenen – physisch als auch psychisch.

Im August habe ich mir zu dieser Thematik das englische Standardwerk besorgt: It Starts with Food.
In diesem Buch werden die Zusammenhänge welche Nahrungsmittel auf den Körper, Hormonhaushalt etc. haben beschrieben und die These aufgestellt, dass alles was man isst einfach dargestellt in nur zwei Kategorien eingeteilt werden kann: Nahrung die dem Körper schadet und Nahrung die dem Körper gut tut. Warum das so ist und was im inneren passiert wird leicht verständlich dargestellt.

Im folgenden Monat habe ich die gelesene Theorie mit dem Whole30-Programm in die Praxis umgesetzt und trotz zwei Hochzeiten etwa 40 Tage strikt meine Lebensmittelauswahl in einigen Bereichen stark eingeschränkt, in anderen allerdings auch erweitert. Von der bekannten Ernährungspyramide sollte man sich verabschieden.
Im klassischen Whole30-Programm verzichtet man auf folgendes:

  • Getreideprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Milchprodukte
  • Zucker
  • stark verarbeitete pflanzliche Fette
  • künstliche Zusatzstoffe

Aus Gründen einer vermuteten Unverträglichkeit habe ich diese Liste in den ersten 40 Tagen um folgende Lebensmittel erweitert:

  • Eier
  • Nachtschattengewächse (Kartoffeln, Tomaten, Paprika…)
  • Nüsse & Samen

Das erweitert im letzten Absatz bezieht sich vor allem auf Gemüsesorten, die ich etwa in der Vergangenheit etwa gar nicht verzehrt hatte oder nur sehr selten. Die Mahlzeiten setzten sich also aus folgenden Komponenten zusammen:

Gemüse, Obst, gesunde Fette, Fleisch & Fisch

Das mag nicht nach viel klingen und beim Zubereiten des Frühstücks (vor allem ohne Brot) ist bereits experimentierfähig gefragt. Zum Glück gibt es dieses Internet und zahlreiche Rezepte die in weniger als 10 Minuten zubereitet sind. Mit ein wenig Planung (vor allem für den Einkauf) und einem Ernährungsplan, der eine solide Wochenübersicht, gewährleistet ist das alles absolut machbar und weniger kompliziert als man anfänglich denkt. Hier hat sich nach einiger Zeit eine gewisse Routine entwickelt und ich musste insgesamt sogar weniger oft einkaufen. Planung ist alles.
Es kann einige Zeit dauern bis sich der Körper an die Umstellung gewöhnt hat, denn im Idealfall bezieht man die Energie nur zu ca. 20% aus Kohlenhydraten, zu 65% aus Fett und zu 15% aus Protein – eben wie im Paläolithikum.

Warum?

Warum sollte man freiwillig auf Brötchen, Nudeln, Brot, Bohnen, Pizza usw. verzichten wollen? Nun, die Gründe hierfür sind bei den Befürwortern oft sehr individuell zu beantworten. Letztendlich ist das alles aber vor allem eines nicht: ein Patentrezept für ein besseres Leben. Essen hat bei jedem Menschen unterschiedliche Auswirkungen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Laktoseintoleranz. Manch einer hat mit der Kohlenhydratmalabsorption so seine Probleme, andere eben nicht. Genau so kann es sich auch mit anderen Komponenten (Gluten, Zucker) verhalten. Das muss man letztendlich aber für sich selbst raus finden und (oben genannte) verdächtige Lebensmittel mindestens für 30 Tage von seiner Speisekarte entfernen. Erst nach einer Besserung (der eventuellen vorher bestehenden) Symptome kann man langsam und vor allem einzeln wieder bestimmte Viktualien zu sich nehmen.
Hier sind häufig genannte Wirkungen – einige davon konnte ich auch bei mir selbst feststellen:

    • verbesserte körperliche und geistige Energie
    • Verbesserung des Allgemeinbefindens
    • besserer Schlaf
    • niedrigerer Blutdruck
    • reinere Haut und gesünderes Haar
    • bessere Konzentrationsfähigkeit
    • bessere Stimmung
    • weniger Depressionssymptome
    • weniger Verdauungsschwierigkeiten
    • nachhaltiger Gewichtsverlust
    • besserer Muskelaufbau und Fitness
    • stabileres Immunsystem
    • verbesserte Blutzuckerwerte
    • verbesserte Allergiesymptome
    • weniger Entzündungen
    • weniger Atemprobleme wie Asthma

Persönliches Fazit

Für mich würden bereits zwei der oben genannten Punkte ausreichen, um neugierig genug zu werden das alles auszuprobieren. Mit Dingen wie erholsamen Schlaf, Übergewicht oder auch guten Blutzuckerwerten hatte ich allerdings noch nie Probleme und hatte zumindest hier keinen Verbesserungsbedarf. Aber tatsächlich zu merken wie sich Konzentration, Stimmung & Antrieb (und noch vieles mehr) steigern und verbessern ist eine tolle Sache.
Zudem habe ich eine komplett neue Sicht aufs Essen bekommen und setzte mich logischerweise auch ganz anders und vor allem intensiver damit auseinander. Bis vor wenigen Monaten hätte ich nicht gewusst wie man zum Beispiel einen Granatapfel zubereitet oder warum es gut ist auf das Verhältnis von Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren zu achten.
Alles in allem also eine durchweg positive Erfahrung die meine Essgewohnheiten nachhaltig beeinflusst hat.

Quellen: http://paleowiki.de; http://www.paleo360.de

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2 Comments

  1. Ich hab seit ein paar Monaten auch die typischen Paleo-Blogs abonniert und verfolge das ein bisschen. Richtig durchgezogen hab ich´s aber noch nicht, aber zwei Sachen sind mir aufgefallen.

    1. Wenn ich abends Getreideprodukte esse, wache ich morgens auf und könnte im Prinzip sofort losfuttern. Gibt es abends Salat, Gemüse und Ei oder Fleisch, passiert das nicht.

    2. Und ich merke, dass ein paar meiner Organe es mir sehr übel nehmen, wenn ich viele einfache Kohlenhydrate in Verbindung mit Fett zu mir nehme. Bei Spaghetti Bolognese denk ich immer, mir brennt die Bauchspeicheldrüse weg. Und irgendwann tut sie das wahrscheinlich auch.

    Auf irgendeinem Blog hab ich sogar mal gelesen, dass Paleo bei Histaminintoleranz helfen kann. Ich weiß zwar nicht, wie stark die bei mir ausgeprägt ist, aber irgendsowas in der Richtung wird´s wohl sein. Was auch irgendwie komisch ist, weil es vielen Leuten so geht, dass sie bei Histaminintoleranz echt nur Reis und Kartoffeln vertragen und die typischen Paleo-Sachen teilweise nicht vertragen.

    Ich glaub, schlussendlich läuft alles auf dasselbe heraus. Man ernährt sich nicht wirklich vorbildlich und der Körper sucht sich einen individuellen Weg, um zu sagen: “Moment, hör doch mal auf, den Mist zu essen, du siehst doch, dass du Beschwerden hast (ich mit Histamin, meine Schwester hat das mit Laktose und Gluten). Ernähr dich einfach mal auf eine ganz ursprüngliche Art, lass die ganzen Zusatzstoffe und den Zucker weg und dann kriegst du das in den Griff.”

    Das ist jedenfalls ein wahnsinnig spannendes Thema. Vielleicht besorg ich mir das Buch auch mal oder lass es mir schenken, ist ja bald Weihnachten. Frohes Fest übrigens und ganz viele liebe Grüße!

    • Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, hat mich sehr gefreut!
      Ich verfolge das Thema auf jeden Fall auch weiterhin, Ernährung fand ich in all seinen Facetten schon immer spannend.
      Falls du irgendwelche Fragen hast weißt du ja wo du deine Brieftaube hinschicken musst.

      Dir an dieser Stelle auch schon mal ein frohes Fest und liebste Grüße zurück!:)

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